Das Ziel des Spiels

An guten Tagen fühlt sich leben an wie ein Spiel. An schlechten Tagen auch, aber dann ist es ein Spiel, dessen Regeln ich nicht kenne. Dessen nicht-Regeln mir Angst machen, und dessen Marionette ich werde. Da ich in der Unsicherheit versumpfe, weil ich höchstens auf die nächst-auftauchende Sonderregel reagieren kann. Und ich bin nicht mal sicher, dass jemand mir Bescheid gibt, wenn es eine neue Sonderregel gibt.

Oder ich fliege halt raus. Das ist mir auch gerade erst aufgefallen, dass es diese Möglichkeit noch gibt. Dementsprechend habe ich die bisher noch nie in Betracht gezogen. Ich dachte mir immer, ich müsste um jeden Preis weiterspielen. Dabei hat nicht mal jemand eine Aussage darüber gemacht, ob und was es für einen Gewinn geben wird.

Hier ist sie also, eine neue Idee: Es steht mir frei zu entscheiden, dass ich einfach nicht mehr mitspielen möchte in den Spielen, dessen Regeln irgendwelche anderen gemacht haben. Oder auch nicht gemacht haben. Nur. Was kommt dann?

Während ich vielleicht die Regeln nicht direkt kenne, weiß ich in der Art von Spiel wenigstens, dass jemand anderes schon (seine/ihre) Regeln für mich machen wird. Egal wie unlogisch und/oder Furcht einflößend diese Regeln für (mich) den Spieler sind. Ich weiß immerhin, dass es sie gibt / geben muss. Oder?

Was ich nicht weiß, ist darüber Bescheid, wie man das Spiel beendet! Am Ende gibt es keine Regeln für das Ende! Vielleicht spielen deshalb ja auch alle anderen ergeben weiter – weil auch sie die Regeln für das Ende des Spiels nicht kennen!
Und sich irgendwas anzugucken, wozu es keine Regeln gibt, macht zu viel Angst. Oder man müsste die fehlenden Regeln selbst erfinden. Viel zu anstrengend!
Außerdem müsste man ja erst mal auf die Idee kommen, sich (geschweige denn jemand anderen) danach zu fragen …

„Ziel des Spiels“, so wie es in jeder verdammten Spieleanleitung als erster Absatz steht. Aber klar, wenn es keine Anleitung gibt, fehlt darin auch der erste Absatz.

Was, wenn Amanda recht hat?

it’s just a ride
and you’ve got the choice to get off
any time that you like …

Amanda Palmer, The Ride

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