Schnecke schreibt.

oder: Der Versuch einer über-mich-Seite

Hallo, ich bin Lena und ich schreibe bereits, seit ich einen Stift halten kann. Das hat meinem Gekritzel damals nur noch niemand angesehen.
Doch spätestens seit dem Einsetzen orthographisch vertretbarer Kompetenzen, war mir das Schriftliche immer schon lieber als gesprochene Sprache. Was nicht zu jedem Anlass unbedingt zu allgemeinem Verständnis beiträgt, aber gut. Daran möchte ich nun grundsätzlich was ändern.
Ich habe lernen dürfen, dass es neben mir noch mehr Menschen gibt, deren innere Welt so viel bunter ist als die äußere, in der sie sich vielleicht gerade befinden. Und ich habe kein Bock mehr darauf, alleine mit meinen Gedanken zu sein, also möchte ich sie hier mit Dir teilen.

Wohin des Weges, kleine Schnecke?

Hast Du Lust, mich ein Stück weit zu begleiten?
Ich kann noch nicht versprechen, wo genau es hingehen wird. Bestimmt wird es Ausflüge und Schlenker in Vergangenes geben (die ersten Geschichten aus den Archiven wurden bereits gesichtet), mancher Waldweg ist bestimmt noch holperig und nicht immer schön … vielleicht macht auch nicht alles auf den ersten Blick Sinn, wenn es frisch aus meinem Kopf auf dem digitalen Blatt Papier hier erscheint. Aber ich kann Dir versprechen, da oben wird es nie langweilig.
Keine Angst: solange ich noch nicht genauso schnell tippen wie denken kann, haben ja auch mein rationelles Hirn und mein latenter Perfektionismus noch ein Wörtchen mitzureden. Keine Gewähr allerdings für frei laufende Experimente und spontane Anfälle von akutem Stream of Consciousness.

Was will mir der Autor damit sagen?

Mit der Schnecke habe ich tatsächlich ein sehr zwiespältiges Verhältnis: Erstens war ich, seit ich denken kann, immer schon die chronisch Langsamste in sämtlichen Bewegungsformen. Dass mein Hirn gerne mal ohne mich vorneweg galoppiert ist, hat ja keiner ahnen können.
Deswegen nehme ich meiner Mutter immer noch den Freud’schen Verpacker übel, als sie mir damals als Sportklamotte das (natürlich ökomodisch top aktuelle! *hüstel*) verwaschene T-Shirt mit der Schnecke vorne drauf in die Schultasche geschmuggelt hat. Die Folgen für meinen grundschulischen Mobbing-Status kannst Du Dir denken.
Mit dem Spitznamen Frieden zu schließen, hat mir erst viel später eine beste Freundin helfen können. Da habe ich schließlich sogar beschlossen, alles Schneckliche für mich anzunehmen; und dass ein bisschen verlangsamtes Vorbild in dieser unserer Zeit auch nicht die schlechteste Idee ist.

Außerdem gefällt mir die Idee, dass man als Schnecke sein eigenes Zuhause / seinen sicheren Ort automatisch schon dabei hat. Kein Bock mehr auf Abhängigkeitsgemache vom Außen. Und ich weigere mich zudem auch, mir größere Lasten aufzubürden, als ich tragen kann, also ist der Platz damit schonmal besetzt.
Mein Therapeut hat letztens weise Worte gesprochen: „Das Schöne am Erwachsensein ist doch, dass man sich immer wieder neu und selbst entscheiden kann, wie man es sich im Leben noch schöner einrichtet.“

In diesem Sinne bist Du hiermit herzlich eingeladen, mich auf meinem Weg zu begleiten. Meine Texte und ich übernehmen allerdings keine Verantwortung für selbst verschuldetes Ausrutschen auf autobiographischen Schleimspuren.

Deine

PS: Ich mag keine Fotos von mir.
… außer diesem hier:

Fotocredits: Papas Dias von 199?